Mythos Wasserfest – Die Wahrheit über Piercingschmuck
Was Wasser, Schweiß, Chlor, Meerwasser und die verschiedenen Materialien wirklich beeinflussen.
Wasserfeste Piercings? Was bedeutet das wirklich?
In den sozialen Medien und vielen Online-Shops wird aktuell häufig mit Begriffen wie „wasserfest“, „waterproof“, „100 % wasserfest“ oder sogar „lebenslange Haltbarkeit“ geworben.
Doch was bedeuten diese Aussagen bei Piercings und Schmuck eigentlich?
Die kurze Antwort
Fast jedes Piercing ist wasserfest.
Denn Wasser allein zerstört Schmuck normalerweise nicht. Ein Piercing löst sich beim Duschen, Baden oder Schwimmen nicht plötzlich auf. Der Begriff „wasserfest“ wird daher häufig als Marketing-Schlagwort verwendet und sagt über die tatsächliche Qualität eines Schmuckstücks nur wenig aus.
Warum wir nicht mit „wasserfest“ werben
Wir verzichten bewusst auf pauschale Werbeaussagen wie „wasserfest“ oder „lebenslange Haltbarkeit“.
Der Grund dafür ist einfach:
Entscheidend ist nicht das Wasser, sondern das verwendete Material und dessen Qualität.
Ein Piercing aus hochwertigem Titan oder 316L Chirurgenstahl wird durch Duschen, Baden oder Schwimmen normalerweise nicht beschädigt. Das gilt übrigens auch für viele andere Schmuckmaterialien.
Daher halten wir es für wichtiger, unsere Kunden über die Eigenschaften der einzelnen Materialien aufzuklären, anstatt mit Schlagwörtern zu werben.
Kann ich mit Piercings duschen, baden oder schwimmen?
• Duschen
• Baden
• Schwimmen
• In den Whirlpool gehen
• Im Meer baden
• Die Sauna besuchen
Wichtig ist lediglich, dass der Schmuck für den vorgesehenen Einsatzbereich geeignet ist und regelmäßig gereinigt wird.
Titan und 316L Chirurgenstahl
Titan und 316L Chirurgenstahl gehören zu den beliebtesten Materialien für Piercings.
Diese Materialien:
• rosten nicht
• werden durch Wasser nicht beschädigt
• vertragen Duschen, Baden und Schwimmen problemlos
• sind besonders langlebig
• eignen sich hervorragend für den täglichen Gebrauch
Deshalb werden Titan und Chirurgenstahl seit vielen Jahren erfolgreich im Piercingbereich eingesetzt.
Echt Silber
Echtsilber kann mit der Zeit anlaufen.
Das hat jedoch meist nichts mit Wasser zu tun, sondern mit:
• Luftfeuchtigkeit
• Schweiß
• Kosmetikprodukten
• Schwefelverbindungen in der Luft
Angelaufenes Silber ist nicht kaputt. In den meisten Fällen genügt ein Silberputztuch oder eine Politur, damit der Schmuck wieder seinen ursprünglichen Glanz erhält.
Viele Silberschmuckstücke begleiten ihre Besitzer jahrzehntelang.
Messing
Messing kann mit der Zeit eine sogenannte Patina entwickeln.
Dabei verändert sich die Oberfläche und wird dunkler oder erhält einen antiken Charakter. Diese Veränderung ist völlig normal und wird von vielen Schmuckliebhabern sogar geschätzt.
Die Patina stellt keinen Qualitätsmangel dar.
Holzschmuck
Holz ist ein Naturmaterial.
Normales Duschen oder gelegentliches Baden schadet Holzschmuck normalerweise nicht. Dennoch sollte Holz nicht dauerhaft im Wasser liegen oder über längere Zeit feucht gelagert werden.
Ähnlich wie bei Holzmöbeln kann dauerhaftes Wasser die Oberfläche verändern.
Glas-Plugs
Glas ist vollständig wasserbeständig.
Allerdings bleibt Glas ein hartes Material und kann bei einem starken Sturz auf Fliesen oder Beton brechen.
Das liegt nicht am Wasser, sondern an den Eigenschaften des Materials.
Acryl und andere Kunststoffe
Acryl-Piercings und ähnliche Kunststoffe sind leicht, preiswert und in vielen Farben erhältlich.
Durch jahrelange Nutzung können sie jedoch:
• spröde werden
• kleine Risse entwickeln
• an Farbe verlieren
• ihre Oberfläche verändern
Dies geschieht meist durch Alterung, UV-Strahlung, Kosmetikprodukte oder lange Tragezeiten – nicht durch gelegentlichen Wasserkontakt.
Acryl im Mundbereich
Acrylschmuck im Mundbereich sollte regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf ersetzt werden.
Der Grund dafür ist nicht Wasser, sondern die tägliche Belastung durch:
• Speichel
• Getränke
• Nahrung
• Temperaturschwankungen
Aus hygienischen Gründen empfehlen viele Piercer, stark beanspruchten Kunststoffschmuck regelmäßig auszutauschen.
PTFE und Bioplast
PTFE und Bioplast sind flexible Kunststoffe, die häufig für Retainer oder spezielle Piercings verwendet werden.
Auch diese Materialien vertragen Wasser problemlos. Nach langer Nutzung können sie jedoch altern und sollten bei sichtbaren Gebrauchsspuren ersetzt werden.
Goldfarbene Titan- und Chirurgenstahl-Piercings
Viele goldfarbene Piercings bestehen nicht aus massivem Gold, sondern aus Titan oder 316L Chirurgenstahl, die mittels eines modernen PVD-Verfahrens (Physical Vapor Deposition) veredelt werden.
Viele goldfarbene Piercings bestehen nicht aus massivem Gold, sondern aus Titan oder 316L Chirurgenstahl mit einer hochwertigen PVD-Beschichtung. Häufig wird dabei eine goldfarbene Oberfläche erzeugt, die optisch dem Farbton von 18 Karat Gold ähnelt.
Wie bei jedem vergoldeten Schmuckstück können sich jedoch durch die in Goldlegierungen enthaltenen weiteren Metallanteile im Laufe der Zeit leichte Farbveränderungen ergeben. Dies hängt unter anderem von der individuellen Hautchemie, Schweiß, Kosmetikprodukten, Chlor- oder Salzwasser sowie den täglichen Belastungen ab.
In der Praxis kommt es jedoch deutlich häufiger vor, dass sich die Goldfarbe durch jahrelanges Tragen langsam abnutzt oder an stark beanspruchten Stellen heller wird, als dass sich die Beschichtung sichtbar verfärbt.
Ein wichtiger Unterschied zu vielen günstigen Lack- oder Farbüberzügen:
Eine hochwertige PVD-Beschichtung blättert normalerweise nicht ab.
Stattdessen nutzt sich die Oberfläche bei sehr langer Tragedauer gleichmäßig ab. Dadurch entstehen keine scharfen Kanten oder Unebenheiten, die ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten.
Mit regelmäßiger Reinigung und sorgfältiger Pflege lässt sich die schöne Goldoptik meist über viele Jahre erhalten.
Echtgold-Schmuck
Auch echter Goldschmuck ist nicht völlig unveränderlich.
Reines Gold wäre für Schmuck zu weich, weshalb Goldschmuck üblicherweise als Legierung hergestellt wird. Die bekanntesten Varianten sind:
• 375er Gold (9 Karat)
• 585er Gold (14 Karat)
• 750er Gold (18 Karat)
Je nach Legierung enthält der Schmuck neben Gold weitere Metalle, die für Stabilität und Haltbarkeit sorgen.
Auch echter Goldschmuck kann daher im Laufe der Zeit:
• seinen Glanz verlieren
• leichte Verfärbungen zeigen
• Kratzer und Gebrauchsspuren entwickeln
Mit regelmäßiger Pflege und gelegentlicher Politur lässt sich echter Goldschmuck jedoch oft über Jahrzehnte oder sogar Generationen hinweg in einem sehr schönen Zustand erhalten.
Was bedeutet „bruchfest“?
Manche Werbeanzeigen behaupten zusätzlich, der Schmuck sei „bruchfest“ oder könne „bei Kontakt mit Wasser nicht brechen“.
Diese Aussage sorgt oft für Verwirrung.
Metallpiercings aus Titan oder Chirurgenstahl brechen bei normalem Gebrauch ohnehin nicht. Glas kann bei einem harten Sturz brechen, jedoch nicht wegen Wasser. Holz kann reißen, wenn es über längere Zeit extremen Bedingungen ausgesetzt wird.
Der Begriff „bruchfest“ sagt daher meist wenig über die tatsächliche Qualität eines Schmuckstücks aus.
Was bedeutet „lebenslange Haltbarkeit“?
Auch dieser Begriff wird gelegentlich verwendet.
Kein seriöser Hersteller kann garantieren, dass ein Schmuckstück über Jahrzehnte hinweg völlig unverändert bleibt.
Je nach Material können sich mit der Zeit beispielsweise:
• Gewinde abnutzen
• Beschichtungen abtragen
• Steine lösen
• Oberflächen verändern
Das bedeutet nicht, dass der Schmuck minderwertig ist. Es handelt sich um normale Gebrauchsspuren, die bei fast jedem Gegenstand auftreten können.
Unser Fazit
Frage nicht zuerst, ob ein Piercing „wasserfest“ ist.
Frage lieber:
• Aus welchem Material besteht es?
• Ist es für den dauerhaften Körperkontakt geeignet?
• Wie verhält sich das Material über viele Jahre?
• Ist es für meinen Verwendungszweck geeignet?
Diese Fragen sagen deutlich mehr über die Qualität eines Schmuckstücks aus als moderne Marketingbegriffe.
Fun Fact: Nach der heute oft verwendeten Definition wären auch ein Edelstahllöffel, ein Goldring oder eine Fensterscheibe „wasserfest“. Das macht sie jedoch nicht automatisch hochwertiger.
Für uns zählen daher vor allem Materialqualität, Verarbeitung und ehrliche Informationen – nicht Werbeschlagwörter.

